Bürolicht
Teil von Die Auslegung einer Hallenbeleuchtung: Entscheidungen, Regelwerke und Betriebsaufgaben
Lichtsteuerung für Hallen: Präsenz, Tageslicht und Notlicht richtig einbinden
Lichtsteuerung Hallen: Schrittfolge für Präsenzmelder, Tageslichtsensoren, DALI-2, KNX und Notlicht nach DIN EN 1838 und VDE 0100-718 mit Kosten und Einsparungen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Präsenzmelder, Tageslichtsensoren und Notlicht werden getrennt geplant. Die Sicherheitsbeleuchtung darf nicht über den Präsenzmelder abgeschaltet werden.
- DALI-2 liefert adressierbare Einzelleuchten und Sensorik, KNX übernimmt die übergeordnete Steuerung und Szenen.
- Notlicht nach DIN EN 1838 und VDE 0100-718 verlangt 1 lx auf Rettungswegen und eine autarke Energieversorgung für mindestens 60 Minuten.
- Typische Einsparungen durch tageslicht- und präsenzabhängige Regelung liegen bei 30 bis 50 Prozent der Lichtenergie.
- Eine 1.000-Quadratmeter-Halle kostet für Sensorik, Gateway und Inbetriebnahme etwa 8.000 bis 15.000 Euro netto, inklusive 19 Prozent MwSt. sind das 9.520 bis 17.850 Euro.
Schritt 1: Normen und Zuständigkeiten klären
Vor der Auslegung stehen die rechtlichen Vorgaben. Die ASR A3.4 Beleuchtung und Sichtverbindung nennt Beleuchtungsstärken für Arbeitsstätten und verweist auf DIN EN 12464-1. Der Anhang der Arbeitsstättenverordnung fordert eine Sicherheitsbeleuchtung für Rettungswege.
Für Hallen mit Menschenansammlungen gilt VDE 0100-718. Zuständig sind Bauherr, Elektroplaner und Systemintegrator.
Der Planer erstellt ein Lastenheft mit Beleuchtungsstärken, Notlichtanforderungen und Steuerungsfunktionen. Das Lastenheft benennt außerdem die Wartungsfaktoren und die geforderten Gleichmäßigkeiten. Für die Halle sind die Rettungswege und die offenen Bereiche getrennt zu betrachten.
Schritt 2: Präsenzmelder und Tageslichtsensoren auslegen
In Hallen mit Montagehöhen über vier Metern sind Präsenzmelder mit Hochfrequenz oder spezielle Deckenmelder nötig. Sie erfassen Bewegungen auch bei geringer Wärmeabstrahlung. Tageslichtsensoren messen die Beleuchtungsstärke auf der Nutzfläche und dimmen das Kunstlicht stufenlos nach.
Die BAuA-Grundlagen zur Beleuchtung von Arbeitsstätten beschreiben die Anforderungen an die Tageslichtversorgung. Für die Auslegung gilt: Jeder Präsenzmelder erhält einen eigenen Erfassungsbereich. Tageslichtsensoren werden parallel zur Fensterfront und nicht im direkten Kunstlichtkegel montiert.
Die Sensoren werden auf die Verkehrswege und die Lagerzonen ausgerichtet. In Regalgassen reicht ein zentraler Präsenzmelder oft nicht aus. Für hohe Hallen eignen sich Sensoren mit einstellbarer Reichweite und Empfindlichkeit. Das Einsparpotenzial liegt bei 30 bis 50 Prozent der Lichtenergie, wenn beide Funktionen kombiniert werden.
Schritt 3: DALI-2 und KNX verdrahten
DALI-2 ist der digitale Bus für Leuchten und Sensoren. KNX steuert darüberliegende Gewerke und Szenen. Die Verdrahtung folgt diesem Ablauf:
- DALI-2-Busleitung mit zugelassener Leitung (etwa NYM 5x1,5) sternförmig zu den Leuchten und Sensoren verlegen.
- Einzeladressen der DALI-2-Betriebsgeräte und Sensoren vergeben und in Gruppen zusammenfassen.
- KNX-Gateway anbinden, Gruppenadressen für Präsenz, Tageslicht und Szenen anlegen.
- Notlichtleuchten mit eigenem DALI-2-Kreis oder als autarke Einzelbatterieleuchten einbinden.
Der Systemintegrator dokumentiert jede Adresse und jede Gruppe. Die Steuerung darf den Notlichtkreis nicht beeinflussen.
Die Busleitung darf nicht parallel zu Lastleitungen geführt werden, um Störeinstrahlungen zu vermeiden. Jede DALI-2-Linie versorgt bis zu 64 Betriebsgeräte.
Schritt 4: Notlicht nach DIN EN 1838 und VDE 0100-718 einbinden
DIN EN 1838 legt die Mindestbeleuchtungsstärken für Sicherheitsbeleuchtung fest. Auf Rettungswegen sind 1 lx auf dem Boden entlang der Rettungsachse einzuhalten. In offenen Bereichen ohne Rettungsweg gelten 0,5 lx. Die Nennbetriebsdauer beträgt mindestens 60 Minuten, bei Versammlungsstätten oft 180 Minuten.
VDE 0100-718 verlangt für Hallen mit Menschenansammlungen eine eigene Sicherheitsstromversorgung. Präsenzmelder dürfen Sicherheitsleuchten weder ein- noch ausschalten. Die Sicherheitsleuchten werden mit einem eigenen Stromkreis und einer eigenen Absicherung versehen.
Die Testeinrichtung muss die Funktion der Einzelbatterien oder der Zentralbatterie prüfen. Die DGUV-Vorschriften und Regeln ergänzen die Prüffristen für Sicherheitsbeleuchtung. Zuständig für die Abnahme ist der Betreiber gemeinsam mit einer befähigten Person.
Schritt 5: Inbetriebnahme, Messung und Dokumentation
Nach der Montage folgt die messtechnische Abnahme. Der Elektroplaner prüft die Beleuchtungsstärke mit einem geeigneten Luxmeter. Die Messung erfolgt auf der Nutzfläche in einem Raster von mindestens fünf Metern.
Er testet jeden Präsenzmelder auf Erfassungsbereich und Nachlaufzeit. Tageslichtsensoren werden bei definierten Lichtverhältnissen kalibriert. Die Sicherheitsbeleuchtung erhält einen Funktionstest über die volle Nennbetriebsdauer. Der Systemintegrator übergibt ein Protokoll mit Adressen, Gruppen und Messwerten. Die Dokumentation wird im Betriebshandbuch der Halle abgelegt.
Rechenbeispiel: Kosten und Einsparung in einer 1.000-Quadratmeter-Halle
| Position | Wert |
|---|---|
| Sensorik, Gateway und Inbetriebnahme netto | 8.000 bis 15.000 Euro |
| MwSt. 19 Prozent | 1.520 bis 2.850 Euro |
| Gesamt inklusive MwSt. | 9.520 bis 17.850 Euro |
| Jährliche Stromeinsparung bei 30 Prozent (15 kW Last, 3.000 h/a, 0,20 Euro/kWh) | 2.700 Euro |
| Amortisation | 3,5 bis 6,6 Jahre |
Diese Beispielrechnung gilt für eine Halle mit 15 Watt pro Quadratmeter und 3.000 Betriebsstunden pro Jahr. Die tatsächlichen Kosten hängen von Leuchtenanzahl, Bussystem und Notlichtkonzept ab.
Checkliste für die Abnahme
- Beleuchtungsstärke auf Rettungswegen mit 1 lx gemessen
- Funktion jedes Präsenzmelders geprüft
- Tageslichtsensoren kalibriert
- Notlichtbetriebsdauer getestet
- Adressliste und Gruppenprotokoll übergeben
Häufige Fragen
Dürfen Präsenzmelder die Sicherheitsbeleuchtung abschalten?
Nein, die Sicherheitsbeleuchtung muss unabhängig vom Präsenzmelder mit eigener Stromversorgung betrieben werden.
Welche Normen regeln Notlicht in Hallen?
DIN EN 1838 für die Beleuchtungsstärken und VDE 0100-718 für die elektrische Anlage in Versammlungsstätten.
Reicht DALI-2 allein für die Steuerung?
DALI-2 steuert Leuchten und Sensoren. Für Szenen, Zeitprogramme und die Anbindung an Gewerke ist KNX oder ein anderes übergeordnetes System nötig.
Wie hoch ist die Einsparung?
Bei kombinierten Präsenz- und Tageslichtregelung liegen die Einsparungen typischerweise bei 30 bis 50 Prozent der Lichtenergie.
Welche Rolle spielt KNX bei der Lichtsteuerung?
KNX bündelt Präsenz-, Tageslicht- und Notlichtfunktionen in einer übergeordneten Logik und ermöglicht Szenen sowie Zeitprogramme.